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Gedanken zum Monatsspruch Juni

Gedanken zum Monatsspruch Juni
Veröffentlicht am Do., 26. Mai. 2022 00:00 Uhr
Impulse

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, so dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht  ertränken.

Hohelied 8, 6-7a

Liebe ist alles

Als ich mich mit dem Vers aus der hebräischen Bibel, dem sogenannten Alten Testament, aus dem Hohelied des Salomo genauer befasste, stellte ich fest, dass er fast am Ende der Liedersammlung steht und so viel weniger blumig und bildreich als viele andere der im Lied der Lieder zusammengestellten Texte zur Liebe ist. Dieses Buch in unserer Bibel ist absolut lesenswert und auch vorlesenswert. Aber weder die Nächstenliebe noch die Feindesliebe stehen hier, sondern allein die begehrende Liebe zwischen Menschen.

So weit, so gut. Was hat das nun mit dem Juni diesen Jahres zu tun?

In den letzten Monaten klagten wir alle über den nicht enden wollenden grauen, immer gleichen Corona-Alltag. In diesen Tagen denken wir zwar weniger daran, sehen dafür jedoch auf den Krieg in der Ukraine. Da setzt sich das Grau und die Schattenseite des Lebens irgendwie weiter fort. Genau davon erzählt auch das Hohelied in der Bibel. Dort werden die Schattenseiten in dramatischen Bildern geschildert: Von Tod und Totenreich ist die Rede, von gewaltigen Flammen, die alles verzehrenden und bedrohlichen Fluten, die das Leben bedrohen.

Aber kann sich das Leben auf der Schattenseite ganz durchsetzen? Da sind doch auch die Farben des Sommers, die Düfte, die Wärme, das Licht. Wo schauen wir hin? Was gilt für unser Leben? Was brauchen wir? Das alles hat mich das an das Lied der Band Rosenstolz erinnert. „Liebe ist alles

Darin beschreiben Liebende wie sehr wir von der Liebe abhängen, sie brauchen. Wie wir in der Sehnsucht nach Liebe, nach Verstanden werden leben. Wie sehr die Liebe unsere Einstellung und unsere Sicht auf die Welt verändert. Wie sehr sie uns motiviert, herausfordert, die Schattenseiten zu überwinden. Die Liebe, die Lebensfreude, machen doch die Farben in unserem Leben aus. Wo diese Farben fehlen, leben wir wie auf der Schattenseite, umgeben vom Grau. Die Liebe zum Anderen bringt Farbe in das Grau, Licht in die Schattenzeiten.

Die Bibel setzt diesen bedrohlichen Schatten mit klaren Worten etwas entgegen: Die Liebe eben. Sie breitet sich aus, wie das Licht von Ostern. Damit werden die Schattenseiten nicht weggedrängt. Aber sie stehen im Einfluss des aufkeimenden Lichtes, der Wärme, der Liebe und auch der Lebensfreude von Ostern. Das hat Konsequenzen. „Lass das alles hinter Dir, fang noch mal von vorne an.. denn Liebe ist alles, singt die Band in dem Lied. Die Liebe kann eine große Kraft entfalten. Das alles beginnt dann in unserem Umgang mit unseren Partner*Innen, mit unseren Nächsten. Denn die Liebe zwischen zwei Menschen ist in ganz besonderer Weise von Gott gesegnet. Und sie strahlt nach außen. Und genau darin will Gott uns unterstützen. Dabei verspricht Gott allen, die sich zu ihm und der Liebe halten, diese Liebe mit seiner Liebe weiter anzufüllen und als starken und festen Bund zu besiegeln. Ich lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Liebe ist, was sie ist – oft auch gegen jede Vernunft. Auch gegen die sich ausbreitenden Schattenseiten. Das heißt: In der Liebe schaffe ich es, den eigenen Stolz runterzuschlucken, Ängste, die mich immer wieder verfolgen, zu überwinden und gegen schmerzliche Vorerfahrungen erfolgreich anzukämpfen. Mit ihr schaffe ich es, Kraft aus leeren Händen zu empfangen. Mich nicht resignierend dem Grau zu überlassen, sondern voller Hoffnung auf die Farben und das Leben zu schauen. Denn die Liebe ist, was sie ist: Eine ganz besondere Kraft, die Menschen in Gott, der selbst die Liebe ist, miteinander verbindet und in unseren grauen Alltag Farbe bringt. 

Ein Gedicht von Erich Fried bringt es wunderbar zum Ausdruck, was für eine Grenzen überwindende Kraft die Liebe in sich trägt:

Was es ist...

Es ist Unsinn,sagt die Vernunft.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Es ist Unglück, sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.
Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Es ist lächerlich, sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe...

 Pfarrer Michael Stichling