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Gedanken zum Monatsspruch September

Gedanken zum Monatsspruch September
Veröffentlicht am Sa., 27. Aug. 2022 00:00 Uhr
Impulse

Gedanken zum Monatsspruch September

„Gott lieben ist die allerschönste Weisheit“

(Sirach 1,10)

 Im Rahmen eines Geburtstagsbesuches bei einer Seniorin unserer Gemeinde erkundigte ich mich nach ihrem Ergehen. Sie sagte: „Gott sei Dank wieder besser. Sie wissen ja:, Gesundheit ist ja das Allerwichtigste.“ Immer wieder hat mich dieser Satz begleitet. Und eine Frage ist in mir entstanden. Ist Gesundheit wirklich das Wichtigste im Leben?

In Psalm 63,4 heißt es: „Gott, Deine Liebe bedeutet mir mehr als das Leben, darum will ich dich preisen“.

Der Mensch der diesen Satz betet sagt damit dass ihm die Liebe Gottes mehr wert ist als sein Leben und damit auch seine Gesundheit. Würde er die Liebe Gottes verlieren, wäre das für ihn ganz schlimm. Diese Liebe ist für diesen Menschen wie eine sprudelnde Quelle im Leben, sie gibt Kraft und Sinn für wirkliches Leben.

Wo finde ich denn diese Liebe Gottes in meinem Leben? Wenn ich in den Gottesdienst gehe oder eine Taizé Andacht gestalte, spüre ich oft besonders die Nähe Gottes, fühle mich in seiner Liebe und in der Gemeinschaft geborgen. Ich höre auf den Zuspruch, singe und bete mit anderen anderen zusammen und fühle mich in dieser Nähe zu Gott ausgeglichen und wohl.

Ganz nah kann ich Gott da bei mir spüren.

Wenn ich in die Natur schaue und sehe, dass in einem Garten aus dem Astloch eines Pflaumenbaumes eine Birke wächst,  die Pflaume voll trägt und süß ist und die Birke kraftvoll ist, spüre ich ich diese Hinwendung Gottes und seine Liebe zur Schöpfung. 


Auch beim Bootfahren im Wind, wenn die Freiheit mich umweht oder bei intensiven Spaziergängen im Wald spüre ich, dass Gott seine Schöpfung liebevoll gedacht hat und auch mich darin begleitet. Dann kann ich diese Liebe Gottes fast mit Händen greifen. Ich bin ganz bei mir und spüre Gottes Nähe und seine Liebe. Ich sehe mich von der Liebe Gottes umgeben und fühle mich sicher. Darin vernehme ich Gottes Wort.

Aus diesen Erfahrungen von Gottes Liebe zu seiner Schöpfung erfahre ich Zuspruch, eben aber auch einen Anspruch und ein Korrektiv für mein Leben. Ich sehe, dass es diese in Gottes Liebe geschaffene Umwelt zu erhalten gilt. Ich spüre, dass ich mich engagieren muss um an der Erhaltung und dem Schutz von Gottes Schöpfung mit zu wirken. Ich bin auch an meine „Nächsten“ verwiesen und meinen Umgang mit Ihnen. Ich soll eben auch für deren Leben ein Stück Sorge tragen. Zum gelingenden Leben helfen. Da ist die klare und eindeutige Stellungnahme für den Frieden und gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung eingefordert.

Ich spüre, dass ich hier Orientierung und Klarheit brauche um Gottes Liebe zu seiner Schöpfung und zu mir mit dem daraus folgenden Anspruch an mich verbinden zu können. Ein Blick in die Bibel hilft mir da oft.

 Meine Gewissheit und die Sicherheit, von Gottes Liebe umgeben zu sein, ist nicht jeden Tag gleich. Manchmal wurde und wird mein Glaube auch erschüttert. Doch meist wurde mir im Nachhinein bewusst, wie oft mich Gottes Liebe durch schwierige Zeiten und Schicksalsschläge getragen hat. Ich weiß mich von seiner liebenden Hand umgeben und bin in ihr geborgen, wenn auch es sich auch in der konkreten Situation nicht so anfühlt und manchmal Fragen offenbleiben. Oft sehe ich auch meine eigenen Lieblosigkeiten und selber produzierte Ungerechtigkeiten. Und in den Nachrichten sehe ich wie Menschen voller Überzeugung und Macht andere Menschen oder Staaten vernichten. Sehe ich wie ungerecht die Verteilung von den Gütern aus Gottes Schöpfung ist. Hier wird es für mich oft schwierig, nach Gottes Liebe zu handeln.

Lieblosigkeit ist keine Bagatelle, sondern wird von Jesus ernst genommen. Er hat die echte Liebe vorgelebt wie kein anderer. Für Jesus steht und fällt unsere Liebe zu Gott damit, wie liebevoll oder nicht, wir mit anderen Menschen umgehen.

Nach Auseinandersetzungen mit Menschen spüre ich, ich sollte die Hand zur Versöhnung reichen, aber mein Stolz lässt es manchmal nicht zu. Es gibt oft tausend Gründe, die mich hindern, den Glauben an Gottes Liebe umzusetzen und Gottes Liebe an andere weiterzugeben. Wie oft nehme ich mir vor, heute mache in noch den versprochenen Krankenbesuch; doch die Arbeit nimmt mich in Beschlag und ich denke, morgen ist ja auch noch ein Tag.

 Liebe kann und lässt sich nicht einfach auf Knopfdruck produzieren. Hier geht es um mein bewusstes Verhalten mit einer liebevollen Einstellung. Das griechische Wort „agape“ macht am besten deutlich, welche Einstellung und Verhaltensweisen die Liebe aufzeigt. Es ist die hingebende und leidenschaftliche Liebe. Diese Liebe kommt von Herzen, ist ehrlich und voller Kraft. Diese Liebe muss ich immer wieder. einüben.,

Gottes Wort hält uns den Spiegel vor und zeigt uns den Weg der Vergebung und befähigt uns zu wahrer Liebe. Dann fällt es leichter, Gottes weise Handlungsanweisungen besser umzusetzen.

Ein weiser Satz von Soeren Kierkegaard am Schluss:

Mit der Liebe zu Gott und der Liebe zum Menschen verhält es sich wie zwei miteinander verbundene Türen, die nur gemeinsam geöffnet und gemeinsam geschlossen werden können.                                  (Sören Kierkegaard)

 

Michael Stichling (Pfarrer)